COA-Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien: Filmregisseur besucht TGSBBZ Saarlouis
Volles Haus in der Akademie für Erzieherinnen und Erzieher des TGSBBZ Saarlouis bei der Filmaufführung mit Regisseur Lars Smekal zur COA-Aktionswoche. Foto: Landkreis Saarlouis - David Nicola Schmitt
Anlässlich der bundesweiten Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien fand kürzlich an der Akademie für Erzieherinnen und Erzieher des Technisch-Gewerblichen und Sozialpflegerischen Berufsbildungszentrums (TGSBBZ) Saarlouis ein besonderer Vormittag statt: Filmregisseur Lars Smekal hat die Ausbildungsstätte besucht, um dort seinen mehrfach ausgezeichneten Kurzfilm „Erinnerungen einer vergessenen Kindheit“ zu zeigen und anschließend mit angehenden Erzieherinnen und Erziehern über das sensible Thema Suchterkrankungen zu sprechen. Mit an Bord waren das Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit (MASFG), die Suchtbeauftragte des Landkreises Saarlouis, die Caritas Saar-Hochwald sowie Mogli – Zentrum für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe.
Jedes Jahr ruft der Verein NACOA Deutschland e.V. bundesweit Einrichtungen, Schulen und Initiativen zur Teilnahme an der COA-Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien auf. Die Abkürzung COA steht hierbei für „Children of addicts“ – also Kinder von Suchtkranken. Zum Hintergrund: In Deutschland wächst laut dem Verein jedes fünfte bis sechste Kind mit einem suchtkranken Elternteil auf. Viele von ihnen erleben Vernachlässigung und Gewalt und leiden oft ein Leben lang unter diesen Erfahrungen. Das Risiko der Kinder, selbst eine Sucht oder eine andere psychische Krankheit zu entwickeln, sei um ein Vielfaches erhöht. Die COA-Aktionswoche findet jedes Jahr unter einem anderen Motto statt; das diesjährige Motto lautet: „Wir werden sichtbar“.
Der Landkreis Saarlouis beteiligt sich über seine Suchtbeauftragte, Beate Grünwald, schon seit mehreren Jahren an der Initiative. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Netzwerkpartnern wurde im Zuge vergangener Veranstaltungen bereits über verschiedene verwandte Gesundheits- und Suchtthemen, wie beispielsweise das fetale Alkoholsyndrom, informiert.
Regisseur Lars Smekal beantwortet Fragen aus dem Publikum. Foto: Landkreis Saarlouis - David Nicola Schmitt
Anlässlich der diesjährigen COA-Aktionswoche wurde der Regisseur und Autor Lars Smekal eingeladen, an der Akademie für Erzieherinnen und Erzieher des TGSBBZ Saarlouis seinen Film „Erinnerungen einer vergessenen Kindheit“ zu zeigen und über seine eigenen Erfahrungen zu sprechen. Das autobiografische Werk ist eine Auseinandersetzung mit Suchterkrankungen im Elternhaus aus der Perspektive eines elfjährigen Jungen.
Nach Begrüßung durch die Schulleiterin, Dr. Margret Schmitt, ging Bettina Altesleben, Staatssekretärin im MASFG und Landesbeauftragte für Drogen und Sucht, auf die essenzielle Rolle des Erziehungspersonals in der Arbeit mit Kindern aus suchtkranken Familien ein: „Sucht hat viele Gesichter und insbesondere die Kinder suchtkranker Eltern brauchen Menschen, die sie an die Hand nehmen. Umso wichtiger ist es, dass der Beruf von Erzieherinnen und Erziehern aufgewertet und das Thema ,Suchtkrankheit‘ aus der Tabuzone genommen wird – denn es ist keine Charakterschwäche, sondern eine anerkannte Abhängigkeitserkrankung.“
Walter Klein, Kreisbeigeordneter im Landkreis Saarlouis, richtete sich anschließend im Namen des Schulträgers an die Anwesenden. Er freue sich, dass die Veranstaltung an der Akademie für Erzieherinnen und Erzieher des TGSBBZ Saarlouis ausgerichtet werde, da hier „zukünftiges Fachpersonal ausgebildet wird, das insbesondere auch die frühkindliche Entwicklung unserer Kinder und Kindeskinder entscheidend prägen und ihnen Werte für das gesamte Leben mitgeben wird“, so Klein.
Im Anschluss an seinen Film stellte sich der Regisseur Lars Smekal den Fragen der angehenden Erzieherinnen und Erzieher. Im Gespräch machte er deutlich, wie wichtig es sei, nicht nur die suchtkranken Menschen selbst, sondern auch deren Kinder zu sehen. Selbst aus einer suchtbelasteten Familie stammend erzählte er auch aus seinem Leben und verwies dabei immer wieder auf die Vielfalt an Hilfsangeboten, die Betroffene in Anspruch nehmen können. „Es ist eine Stärke, sich Hilfe zu suchen, keine Schwäche“, machte er deutlich. Sein Appell an das Publikum: „Es gibt Menschen, die wegschauen, und Menschen, die zuhören. Lasst uns stets versuchen, hinzuschauen und für jede Betroffene und jeden Betroffenen ein offenes Ohr zu haben“.
Ähnliche Veranstaltungen wurden im Rahmen der COA-Aktionswoche auch in den anderen saarländischen Kreisen dargeboten; initiiert wurde die Reihe durch die Mitglieder des Unterausschusses „Kinder aus suchtbelasteten Familien“ der Liga der freien Wohlfahrtspflege.