Das Quellheiligtum Sudelfels

SudelFels

                               Touri Logo Straßen der Römer

Eine Zeichnung vom Sudelfels Ein bemerkenswertes geologisches Phänomen


Der Sudelfels verdankt seine Existenz einer besonderen geologischen Gliederung des Untergrundes. In einem kleinen Gebiet liegen geologische Verwerfungen vor. Diese haben dazu geführt, dass unterschiedlich alte Gesteine heute auf gleicher Höhe liegen. Liegen dann Wasser führende und Wasser abweisende Schichten nebeneinander, so kommt es an bestimmten Stellen zu einem Stau des Grundwassers, was Überlaufquellen zur Folge hat. D.h., an zahlreichen und wahrscheinlich auch häufig wechselnden Stellen tritt Grundwasser aus und fließt hangabwärts. So erklärt sich die Flurbezeichnung „Auf der Sudelfels".
Das austretende Wasser kann im Untergrund Kalk gelöst haben. Somit entsteht im Lauf der Zeit im Bereich der Wasseraustritte und der Gefällstufen des Wasserlaufs eine Kalkdecke mit poröser Struktur (Kalksinter, auch Kalktuff genannt), mit bedingt durch eingeschlossene organische Reste. 
Sowohl im keltischen, als auch im römischen bzw. gallorömischen Bereich war die kultische Verehrung von Quellen und Gewässern weit verbreitet. Es verwundert nicht, dass dieser besondere Ort eine Faszination auf die Menschen der Frühzeit ausgeübt hat.


Ein heiliger Ort in römischer Zeit

Sudelfels Übersichtszeichnung

Das Herzstück des Ausgrabungsgeländes ist der kleine Tempelbezirk. Innerhalb eines ummauerten Bereiches standen nebeneinander vier kleine Gebäude: ein quadratischer, ein rechteckiger, ein achteckiger Bau und eine Brunnenanlage mit sechseckiger Einfassung. Die an drei Seiten nachgewiesene Mauer grenzte den heiligen Bezirk (temenos) gegen die Umgebung ab. Der Hof war stellenweise mit Steinplatten ausgelegt.
Das Wasser der Quelle weist übrigens keine besondere Zusammensetzung auf. Es handelt sich um normales Muschelkalkwasser mit alkalischer Reaktion, hoher Karbonathärte, jedoch geringer Salzfracht, also nicht um Heilwasser im modernen Sinn. Doch entscheidend - damals wie heute - ist der Glaube der Menschen, die einen solchen Ort aufsuchen und Hilfe erhoffen. 

Weihestein SironaWelche Gottheiten wurden am Sudelfels verehrt?


Zwei Denkmalgruppen geben uns heute Zeugnis von den in Ihn verehrten Gottheiten: die Skulpturen und die Weihealtäre mit ihren Inschriften. Die Statuen waren aus Kalkstein und aus Sandstein gearbeitet; beide Materialien stehen in der Umgebung des Heiligtums an. Identifizierbar anhand der Art ihrer Darstellung und ihrer Attribute sind die Götter Apollo, Sirona, Merkur und Rosmerta. Hinzu kommt Jupiter, belegt durch das Bruchstück eines für seinen Kult charakteristischen Monumentes.

Insgesamt 13 Weiheinschriften benennen den Gott Apollo, die Göttin Sirona, das Götterpaar Merkur und Rosmerta sowie die Göttin Minerva. Die meisten davon  - nämlich sechs - sind dem Apollo gewidmet.

Wer bat im Heiligtum am Sudelfels um Hilfe?


Eine Antwort auf diese Frage geben uns ebenfalls die Votivinschriften. Sie bezeugen nämlich nicht nur die Namen der Gottheiten, sondern auch Namen derjenigen, die ein Gelübde einlösen.  Die Inschriften schließen meist mit den Buchstaben V S L M, das bedeutet votum solvit libens merito: ...hat sein Versprechen gern und nach Ver¬dienst erfüllt. Die neun Inschriften mit den Namen der Weihenden sind zum Teil nur fragmentarisch überliefert. Die meisten der Hilfe Suchenden bleiben namenlos. Dass es Viele im Laufe von über vier Jahrhunderten waren, bezeugen die zahlreichen Kleinfunde, v.a. Schmuckstücke und Münzen, die sie den Gottheiten opferten. Die größte Gruppe dieser Votivgaben stellen die Münzen dar. Es sind rund 700 bekannt, die im Wesentlichen im temenos- Bereich gefunden wurden.

Sudelfels Der Weg des heutigen Besuchers führt zunächst an einem Wohngebäude vorbei. Von einem bescheidenen Wohlstand der Besitzer zeugt der Badebereich der villa.  Er hat die Form einer Apsis. An der Innenseite war umlaufend ein wasserdichter, roter Putz erhalten. Entwässert wurde hangabwärts durch eine Öffnung mit Bleirohr. In einem weiteren Raum befindet sich eine Hypokaust-Anlage. Fußboden und Wände konnten mittels heißer Luft erwärmt werden. Die Funktion des südwestlich daran anschließenden und teilweise schlecht erhaltenen Raumes bleibt unklar.
Die Quelle des Tempelbezirkes versorgte über eine Leitung aus Kalksteinplatten auch Teile der villa mit Wasser. Nördlich des Tempelbezirks sind die Grundmauern eines dritten Komplexes freigelegt worden. Dabei handelt es sich um Wirtschaftsgebäude, die zum Gutshof gehörten. Die Tempel sind in das Gehöft architektonisch so eingebunden, dass an der Zusammengehörigkeit kein Zweifel besteht. Als privates Heiligtum ist die Tempelanlage jedoch sehr groß; sie muss überregionale Bedeutung gewonnen und viele Pilger angezogen haben.

Gräber innerhalb der römischen Siedlung?


Vor dem Eingangsbereich der villa stießen die Ausgräber auf zwei Skelette innerhalb von Steinsetzungen. Der Grabbau, die Art der Bestattung und die Funde, die bei den Skeletten gemacht wurden, zeigen, dass es sich um zwei fränkische Gräber handelt.

Die Mühle am Sudelfels aus neuerer Zeit


Dem Besucher, der den betonierten Weg vom Hirnberg zur Straße ins Tal nimmt, fallen die in den Fels gehauenen Spuren von Einbauten ins Auge: eine hohe, schmale Kammer und ein Fenster. Dabei handelt es sich um die Reste einer Mühle. Genaueres dazu liefert ein Artikel im „Intelligenz-Blatt des Kreises Saarlouis" von 1831.   „Das Haus (Oehlmühle) ist zwei Stock hoch gebaut, mit einem Strohdache, besteht einwärts aus einer Küche und zweien bewohnbaren Zimmern; hat zwei  in dem Felsen eingegrabene sehr gute Keller, und können deren mehrere mit weniger Mühe angebracht werden; auch läßt sich diese Mühle (das Werk) leicht zu jedem anderen Werke umändern und gebrauchen; Das Ganze hat, mit Hofbering und Gerechtigkeit, einen Flächen-Inhalt von 5 Ruthen 20 Fuß. Eine Menge Bäume befinden sich um diese Oehlmühle, die theils schon veredelt, und theils noch zu veredeln sind.
Das Wasser zum Antrieb des Mühlrades musste oberhalb des Felsens gestaut werden. Genaueres dazu ist ebenso wenig bekannt wie zu der Frage einer antiken Nutzung des Felsens bzw. des späteren Mühlenstandortes.

Eine Sage aus dem Dreißigjährigen Krieg: Der Feuerreiter vom Sudelfels


Im Mittelpunkt der Sage steht eine Mühle am Sudelfels. Dorthin verschlug es einen der vielen marodierenden Reitertrupps in der Schreckenszeit des Dreißigjährigen Krieges, als in unserer Region Kriegsgreuel, Krankheiten und Hunger herrschten. Die Reiter, angeführt von einem jungen Fähnrich, trafen an der Mühle lediglich auf ein altes Weiblein, das frischgebackene Brote in das Haus bringen wollte. Der Fähnrich verlangte nicht nur diese Brote, sondern auch Speck und Wein. Als ihm die Alte das Gewünschte nicht geben konnte, warf er voller Zorn einen Brotlaib nach der Frau, die daraufhin bewußtlos zu Boden sank. Die Mordsgesellen zündeten das Haus an, das bis auf die Grundmauern niederbrannte. Die ohnmächtige Müllerin kam in den Flammen um.
Doch die Reiter entgingen ihrem Schicksal nicht: bei Tromborn gerieten sie in einen Hinterhalt von vertriebenen Bauern und wurden alle getötet! Der junge Fähnrich ist seit jener Zeit dazu verdammt, am Ort seiner letzten Missetat - dem Sudelfels - mit Fackel und Brotkorb umzugehen. Wird er ge¬sehen, so drohen dem Land Not und Gefahr. Zum letzten Mal sah man ihn in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts ...

Text: Dr. phil. Barbara Ames-Adler

Bildquellen: Landesdenkmalamt und Stiftung Saarländischer Kulturbesitz


Öffnungszeiten: ganzjährig

Eintritt: frei

Führungen: Infos bei der Tourist-Information des Landkreises Saarlouis

Wissenschaftliche Führung: Frau Dr. phil. Ames Adler (0 68 31) 44 44 49

TIPP: Fordern Sie unseren ausführlichen Prospekt an!


Hier können Sie unseren Flyer Sudelfels: Ein Quellheiligtum aus römischer Zeit downloaden.

 


Tourist-Information Saarlouis


Großer Markt 8
D-66740 Saarlouis
Tel. + 49 (68 31) 44 44 49
Fax + 49 (68 31) 44 46 40

Öffnungszeiten

Montag - Freitag
10:00 - 18:00 Uhr
Samstag
10:00 - 15:00 Uhr

logo

Lokales Funkeln Bild  

Reiseblog TZS

Haus Saargau

Tourikonzept Downloadbild

Tourismuskonzept zum Download

Naturpark Saar-Hunsrück

Prospekte bestellen

ServiceQ