Litauische Holocaust-Überlebende zu Besuch im Landratsamt Saarlouis

 „Fragt uns, wir sind die letzten Zeitzeugen“ heißt das Kooperationsprojekt zwischen der KEB im Kreis Saarlouis e.V. und dem Maximilian-Kolbe-Werk in Freiburg, das Zeitzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg mit Schülerinnen und Schülern zusammenbringt. Und von diesem Angebot, dem Gespräch mit Zeitzeugen, machen viele Schüler Gebrauch: In den Schulen und auch im Rahmen von Informationsabenden erzählen die Zeitzeugen von ihren Erlebnissen unter der Nazi-Diktatur, von ihrer Flucht und den Menschen, die ihnen halfen.

Im Rahmen ihres Besuches im Landkreis lud Landrat Patrik Lauer sechs litauische Holocaust-Überlebende mit Karl-Heinz Thieser (KEB) sowie Christine Küpper (Maximilian-Kolbe-Werk) auch ins Landratsamt Saarlouis ein. In Vertretung des Landrates begrüßte Kreisbeigeordneter Klaus Engel die Gäste und wies darauf hin, dass er sich auf den gemeinsamen Austausch und  die Gelegenheit freue, von den Überlebenden zu lernen und Vergangenes nicht vergessen zu lassen.

„Ich war gerade sieben Jahre alt geworden und habe mich so gefreut, in die Schule gehen zu dürfen. Aber drei Tage später kamen die Soldaten in mein Dorf. Sie fragten, in welchem Haus Juden wohnen. In der ersten Nacht hörten wir dann Schüsse“, so beschreibt Izaokas Glikas in vorsichtigem Deutsch den Tag, der sein Leben für immer veränderte. „Die Männer und die älteren Jungen mussten ihre schönsten Sachen anziehen. Ihnen wurde gesagt, dass sie nach Deutschland arbeiten gehen würden, doch man hat sie aus unserem Städtchen gebracht, da war schon ein großer Graben ausgehoben und dort hat man sie alle erschossen.“ Glikas wurde gerettet und von mehreren katholischen Familien unter Einsatz ihres Lebens versteckt. Die Namen der Retter, so erzählt Gilkas stolz, sind in Yad Vashem verewigt. Sie alle haben einen Baum in der „Allee der Gerechten unter den Völkern“, der an ihren Mut und ihre Menschlichkeit erinnert. Auch die jüdische Gemeinde in Litauen hat am Eingang der Synagogen ihre Namen verzeichnet, damit ihr Einsatz für andere Menschen nicht vergessen wird. Gilkas selbst ging später, wie er es immer wollte, zur Schule, studierte und wurde Arzt.

Die sechs Überlebenden waren noch sehr jung, als sie im Ghetto Kaunas interniert wurden, doch die Erinnerungen sind klar und deutlich, auch die deutsche Sprache verstehen sie noch recht gut. Sie alle verbindet nicht nur das gemeinsame Schicksal, sonern vor allem der starke Wille, jungen Menschen von ihren Erlebnissen zu erzählen und mit ihnen zu diskutieren, damit sich eine Geschichte wie die ihre nicht mehr wiederholt.

Diese Aufklärung hält der Kreisbeigeordnete Engel für überaus wichtig, betrachte man doch mit großer Sorge, dass seit einiger Zeit Nationalisten in den sozialen Medien und auch auf der politischen Ebene immer mehr Zuwachs bekämen. „Die Menschen müssen wissen, wohin die Überhöhung der eigenen Nation, des eigenen Lebensstils und der eigenen Ideologie führt – nämlich in den Abgrund der Menschheit.“ Engel betonte, der Landkreis Saarlouis verstehe sich als europäischster aller Landkreise, nicht nur wegen der geographischen Lage, sondern vor allem wegen der eigenen, wechselvollen Geschichte: „Mit diesem Selbstverständnis verbinden wir einen Auftrag für den Zusammenhalt und Frieden in Europa.“ Noch gäbe es die Gelegenheit, mit Überlebenden zu sprechen, sie zu fragen und von ihren Erzählungen zu lernen. „Die Menschlichkeit  der Retter stimmt optimistisch. Es ist ein Zeichen der Hoffnung, an dem man sich orientieren muss“, so der Kreisbeigeordnete abschließend.

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Foto: Kreisbeigeordneter Klaus Engel (rechts), Karl-Heinz Thieser (3. Reihe, links) und

Christine Küpper (vorne links) begrüßten die Gäste im Landratsamt Saarlouis (Landkreis Saarlouis / Lisa Geimer).

Saarlouis, den 27. September 2017

pdl


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