Keiner fällt durch´s Netz

Das Projekt "Keiner fällt durchs Netz" basiert auf den theoretischen Grundlagen und praktischen Erfahrungen bewährter Bausteine der Frühförderung, wie sie bereits seit 2006 im Rahmen einer Praktikabilitätsstudie des Elternseminars "Das Baby verstehen" erprobt werden. Modellstandorte sind die Landkreise Bergstraße und Offenbach in Hessen und alle Landkreis des Saarlandes. Finanziert wird das Projekt von der Hessenstiftung, dem Ministerium für Inneres, Familie, Frauen und Sport des Saarlands und den Modellstandorten. In der Regel übernehmen die Krankenkassen einen Großteil der Kosten für das Elternseminar, so dass der finanzielle Aufwand für die Eltern minimiert wird.

  "Keiner fällt durchs Netz" zielt auf die Identifikation und den Zugang zur sogenannten Risikofamilie. Obwohl viele Familien in Deutschland nicht in der Lage sind, ihren Kindern eine angemessen gute Kindheit zu gewährleisten, sind Konzepte zur Prävention und Intervention zur Abwendung von Risiken bei Kindern noch nicht ausreichend vorhanden. Insbesondere fehlen Ansätze, die einen Zugang zu den belasteten Familien ermöglichen, um diese individuell fördern zu können. Störungen der Eltern-Kind-Beziehung können sich in dieser frühen Zeit durch mangelnde Fürsorge, fehlende Wertschätzung und unsichere Bindung an die Bezugspersonen rasch entwickeln. Die Konfrontation mit Problemen auf ganz unterschiedlichen Ebenen (z.B. Partnerschaft, Störung der Eltern-Kind-Beziehung, Arbeitslosigkeit und Armut) nimmt den Familien dann oft die Initiative und Zuversicht, sich an eine hilfeanbietende Institution zu wenden. Risikokonstellationen müssen deshalb so früh wie möglich vor oder nach der Geburt des Kindes entdeckt werden, um Negativspiralen zu verhindern. Ziel von "Keiner fällt durchs Netz" ist, dass bestehende Hilfestellungen in der frühen Kindheit bei belasteten Familien ankommen, bevor es zu einer Gefährdung des Kindeswohls kommt.

Investitionen in die sichere psychosoziale Entwicklung der Kinder zahlen sich langfristig aus, weil spätere Interventionen kostspieliger und weniger wirksam sind. Je früher die zunächst gescheute Investition erfolgt, desto wirksamer können soziale Folgekosten gesenkt werden. Nicht erst durch die Fälle von Kindesverwahrlosung, -misshandlung und -tötung sowie der Gewaltbereitschaft von Jugendlichen ist ein soziales Frühwarnsystem Aufgabe jedes Gemeinwesens.

Im Projekt ist die Familienhebamme die zentrale Bezugs- und Unterstützungsperson. In einem dreischrittigen Vorgehen wird ein Zugang zu den Familien sehr früh gefunden und ausgebaut. Von den Teams auf den Geburtsstationen werden denjenigen Eltern Hebammen vermittelt, die sich nicht bereits aus eigener Initiative um Unterstützung durch eine Hebamme bemüht haben (Schritt 1). Allen Eltern wird die Elternschule "Das Baby verstehen" zur Stärkung der elterlichen Sicherheit angeboten. Besonders belastete Familien erhalten Hausbesuche durch eine Familienhebamme über das gesamte erste Lebensjahr, um die Eltern ab der Geburt des Kindes in basalen elterlichen Kompetenzen zu fördern (Schritt 2). Da alle Familien im Rahmen der Regelversorgung Unterstützung durch eine Hebamme bei der Pflege des Kindes und beim Stillen bekommen, werden die Hausbesuche bei fast allen Familien gern angenommen. So können die Hebammen zur zentralen Bezugs- und Unterstützungsperson für die Mütter werden. In Fällen, wo die Hebammen im Laufe dieses Jahres Risikokonstellationen identifizieren, werden die Familien als Schritt 3 gegebenenfalls mit ihrer Einwilligung an bestehende Hilfeeinrichtungen vermittelt.

Verantwortlich für die Vernetzung ist eine Koordinationsstelle an der Seite der Familienhebammen. Die Familienhebammen sind nicht nur in der Lage, Risiken bei Kind und Eltern in ihrem häuslichen Umfeld zu erkennen, sondern können auch äußerst wichtige Motivationsarbeit leisten, indem sie Angst und Schamgefühle vor der Inanspruchnahme vor weiteren Unterstützungsangeboten abschwächen. Durch die "Gehstruktur" (d.h. die Familienhebammen gehen zu den Familien in ihr häusliches Umfeld) wird die Hemmschwelle auch für Familien mit Risikofaktoren geringer. Die Effektivität der Maßnahme lässt sich steigern, wenn nicht allein auf die Eltern-Kind-Interaktion geachtet wird, sondern die Familien zusätzliche Unterstützung am Arbeitsplatz, bei Gesundheitsproblemen oder Familienstreit und bei persönlichen Problemen erhalten. Diese Aufgaben können die Familienhebammen nicht ohne Unterstützung leisten. Daher wird in jedem Projektstandort eine Fachkraft (z.B. Sozialarbeiterin) als Koordinatorin und Ansprechpartnerin die Hebammen unterstützen. 
 


 

 

 


Landratsamt Saarlouis


Kaiser-Wilhelm-Straße 4 - 6
D-66740 Saarlouis
Tel.: + 49 (6831) 444 - 0

Öffnungszeiten
Montag - Freitag
  8:30 - 12:00 Uhr
13:30 - 15:30 Uhr

Öffnungszeiten
KFZ-Zulassungsstelle
Montag, Dienstag, Donnerstag
7:30 - 15:00 Uhr
Mittwoch, Freitag: 7:30 - 12.30 Uhr



LOGO K-SLS_fuer_alle

2014_Logo_Wir_sind_FT_Landkreis_RGB

EFRE KOM rgbneu_klein